Norwegen – Tag 6

An diesem Morgen mussten wir uns nicht selbst um das Frühstück kümmern. Wir waren gespannt, was uns erwartete.
Wir wurden nicht enttäuscht. Im Vatnahalsen Hoyfjellshotell war das Frühstücksbüfett ebenfalls reich gedeckt. Mit einem schönen Ausblick in die Berglandschaft und auf die Flambahn genossen wir unser Frühstück. Vor uns lagen 20 Kilometer – meist bergab – mit vollem Gepäck. Ein letzter Marsch aus den Bergen und dem Schnee hinab an den Fjord. Vom Hotel aus überquerten wir den Bahnsteig und gingen am Ende des Bahnsteigs auf dem ausgeschilderten Weg nach Flam. Das erste Stück des Weges kannten wir bereits vom Tag zuvor, aber schon nach wenigen Minuten betraten wir „Neuland“. In engen Serpentinen führte uns der Weg hinab.

2015-Schneewände

2015-Schneewände

2015 - Serpentinen ins Tal

2015 – Serpentinen ins Tal

Links und rechts waren Schneewände, die proportional zu den abnehmenden Höhenmetern auch immer kleiner wurden. Dank des schmelzenden Schnees und den kräftigen Regenfällen in den Tagen zuvor, gab es interessante Wasserspektakel zu sehen. Mal ein kleiner Bach, der direkt am oder auf dem Weg verlief und dann wieder beeindruckende Wasserfälle, die tosend in die Tiefe stürzten.

2015 - Fliessend Wasser an der Wand

2015 – Fliessend Wasser an der Wand

2015 - Fliessend Wasser an der Wand

2015 – Fliessend Wasser an der Wand

Wir ließen uns Zeit, um diese Spektakel im Kopf und in der Kamera festzuhalten. Zusätzlich konnten wir beim Abstieg immer wieder die Flambahn beobachten.

2015 - Flambana

2015 – Flambana

Nach ca. einer Stunde erreichten wir flacheres schneefreies Gelände und sämtliches Wasser, das von irgendwelchen Felswänden in dieses Tal fiel, sammelte sich in einem reißenden großen Bach. Unser Weg führte uns weiter am Bach und auch immer wieder an den Schienen der Bahn, die teilweise direkt neben dem Weg verliefen, entlang.

Als unser Weg eigentlich nichts „spektakuläres“ mehr zu bieten hatte, außer der fantastischen Landschaft, passierte es. Plötzlich hörten wir ein gewaltiges Donnern und Grummeln. Sofort sahen wir an den Felswänden nach oben und sahen es. Auf der anderen Uferseite rutsche eine gewaltige Lawine aus nassem Schnee und Geröll in einem Wasserlauf den Hang hinunter.

2015 - Lawinenabgang

2015 – Lawinenabgang

Wir waren froh, dass wir auf dieser Seite des Ufers liefen und nicht auf dem schmalen Weg, der auf der anderen Seite verlief. Das war ein Naturschauspiel, das wir nicht wieder vergessen werden. Wir gingen weiter, bis zu der Stelle, von der aus wir den Verlauf der Lawine genauer einsehen konnten, als plötzlich eine zweite etwas kleinere Lawine in der gleichen Rinne abging. Wir waren total aufgeregt und konnten gar nicht glauben, dass wir dieses Schauspiel aus sicherer Distanz und doch so nah beobachten konnten.

Vorbei an einer Ziegenherde gab es noch viel zu schauen. Unterwegs noch ein paar „Felsenfotos“ an einer steilen Wand geschossen und noch eine kleine Pause an einer ausgespülten Felswand gemacht.

2015 - Felsenfoto Thorsten

2015 – Felsenfoto Thorsten

2015 - Felsenfoto Schoko

2015 – Felsenfoto Schoko

2015 - Felsenfoto Oli

2015 – Felsenfoto Oli

2015 - Pause

2015 – Pause

Wir kamen gut voran und das Wetter besserte sich, so dass wir uns für eine kleine Sonnenpause entschieden. Die warmen Sachen wurden in den Rucksäcken verstaut und auf einem alten Anhänger legten wir uns in die Sonne.

Nach 30 Minuten ging es weiter. Der Weg wurde zu einer Straße und wir trafen immer mehr Wanderer. Ein sicheres Zeichen, dass wir uns der Ortschaft Flam näherten.

2015 - Neues Flussbett

2015 – Neues Flussbett

Als wir die ersten Ausläufer von Flam erreichten, war das gesamte Tal eine einzige große Baustelle. Der Wasserlauf wurde neu eingefasst und in einem großen Bogen durch die Ortschaft in das alte Flussbett geleitet. Wie wir hinterher erfuhren, gab es im Oktober 2014 eine gewaltige Überschwemmung durch extreme Regenfälle, bei denen der Fluss große Landflächen mit sich riss. 14 Häuser wurden beschädigt, Autos mit samt den Straßen weggespült. Das Ausmaß dieses Unglücks ließ sich noch erahnen, auch wenn die Norweger bereits gute Arbeit geleistet hatten. Wir liefen über die neu angelegte Straße und sahen Häuser die zur Hälfte weg waren, Häuser die unterspült wurden und mit provisorischen Holzbalken abgestützt wurden sowie Straßen die plötzlich in einer Schotterwüste endeten. Auch Brückenpfeiler, die einst die Verbindung der Ortsteile waren, standen wie hohle Zähne im Wasser.

Der Rest des Weges führte uns direkt an und auf den Straßen hinein nach Flam. Wir waren froh, als wir unsere nächste Unterkunft sahen, an der wir Tage zuvor unser Auto abgestellt hatten. Gegen 16.30 Uhr standen wir an der Rezeption der Flam Cabins und meldeten uns an. Die Flam Cabins waren ein Campingplatz, auf dem auch Hütten vermietet wurden.

2015 - Feierabendbier

2015 – Feierabendbier

Eine dieser Hütten hatten wir reserviert. Mit dem Auto, das wir ja bereits 2 Tage vorher dort abgestellt hatten, fuhren wir auf dem Gelände zu unserer Hütte. Wir packten unsere Sachen aus und ebenfalls das Bier, das wir noch im Auto hatten. Auf einer sonnigen Sitzgruppe tranken wir in Ruhe unser Bier.

Nach dem Bier liefen wir zum Hafen, der nur wenige Minuten von unserer Unterkunft entfernt war. Wieder lag eines der großen Kreuzfahrtschiffe am Pier und machte sich gerade für die Abfahrt bereit.

2015 - Viking Star

2015 – Viking Star

Wir schauten bewundernd zu, wie der Kapitän diesen Giganten langsam rückwärts manövrierte und dann auf der Stelle in Fahrrichtung drehte.

Auf unserem weiteren Rundgang im Hafen kamen wir an der Brauerei des dort hergestellten Bieres vorbei und konnten es nicht lassen, einen Blick hinein zu werfen. Das hätten wir lieber nicht tun sollen. Sofort waren wir eingefangen von dem Interieur der Brauerei. Aufgemacht wie eine Wikingerkneipe gab es dort viel zu schauen. Und wo wir doch schon mal dort waren, mussten wir natürlich auch eines der Biere probieren. Am Lagerfeuer ließen wir uns nieder und genossen unser Bier (und nicht nur eins :-)).

2015 - Aegir Brewery

2015 – Aegir Brewery

Wir hatten noch immer nicht Abendbrot gegessen und so verließen wir gegen 20.00 Uhr die „dunkle Wikingerhöhle“ und traten hinaus ins grelle Sonnenlicht. Es wurde ja nicht mehr richtig dunkel. Leichtfüßig (durchs Bier) traten wir den Heimweg an und erreichten sogar unsere Herberge. Jetzt aber schnell Abendbrot essen hieß es und so genossen wir eine weitere MRE-Ration. Noch einen Schluck aus dem Flachmann und wir hatten die nötige Bettschwere. Mit den Handtüchern über der Schulter und der Zahnbürste in der Hand schlenderten wir zum „Sanitärbereich“. Nach der Abendtoilette im sauberen Waschraum ging es zurück in die Hütte. Im Dreistockbett krabbelte ein Jeder in seine Schlafkammer. Dem Alter entsprechend der Jüngste ganz nach oben und der Älteste nach unten. Durch das ein oder andere alkoholische Getränke hatten wir keine Schwierigkeiten, im Tageslicht einzuschlafen.

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