1. Tour – 1994 – Harz / Brocken

Gruppenfoto 1994: Achim - Micha - Sebastian - Thorsten - Oli

Achim (+ Biene) – Micha – Sebastian – Thorsten – Oli

12. Mai 1994 in den frühen Morgenstunden. Es war soweit.

Wir waren auf dem Weg in den Harz. Fünf Mann und ein Rauhaardackel (namens Biene) inklusive fünf prallgefüllte Rucksäcke befanden sich in Thorstens „Tieflader“ Mazda 626.

Die Stimmung war ausgelassen und feuchtfröhlich (Beim Fahrer war natürlich die Stimmung nur ausgelassen.) Unser Weg führte uns als erstes zu Achims Bruder Klaus. Der hatte für uns eine Kiste (6 Flaschen) Schierker Feuerstein besorgt.

Jeder von uns bekam in den Rucksack eine Flasche als Wegzehrung. Huch, da war ja noch eine übrig. Was machten wir wohl mit dieser? AUSTRINKEN! (Es war ja schließlich Herrentag!)

Inzwischen war die Mittagszeit angebrochen und wir waren noch immer nicht im Wald. Also schnell das Auto in der ehemaligen Oberförsterei Wernigerode abstellen und auf ging´s mit ca.16 kg Gepäck zum Bahnhof Hasserode. Von dort fuhren wir mit der Harzquerbahn unter Dampf bis Schierke. Übrigens: In Schierke war dann auch die 6. „überflüssige“ Flasche leer.

Zeterklippe

Zeterklippe

Von Schierke aus führte uns unsere Tour bergauf, vorbei an den Zeterklippen, durch die schöne Brockenlandschaft zur Skihütte des Ilsenburger Radsatzwerkes.

Der Nachmittag war schon fortgeschritten und so entschieden wir uns, dort zu bleiben. Auch dort ging es feuchtfröhlich weiter. Die Mitglieder der Skihütte boten uns an, in der Hütte zu schlafen. Wir wollten aber lieber draußen schlafen. Das war ja schließlich das, was wir von Anfang an vor hatten. Und so verbrachten einige von uns Ihre erste unruhige Nacht unter freiem Himmel.

Waschzeit

Waschzeit

Nach einem eiskalten Waschprogramm an der Quelle, führte uns der nächste Tag auf den Gipfel des Brockens. Über den früheren Kontrollweg der damaligen ostdeutschen Grenzpolizei liefen wir hinab zum früheren Grenzbach, der Ecker. Kaum unten angekommen ging es auch schon auf der anderen Seite wieder hinauf. Immer den Gipfel im Blick, schlängelten wir uns zum Torfhaus hinauf. Selbstverständlich gab es zwischendurch die ein oder andere Pause zur Proviantaufnahme oder für den Flüssigkeitsausgleich. Man glaubt gar nicht, wie schweißtreibend so ein Marsch mit 16 kg auf dem Rücken ist.

Auf dem Torfhaus angekommen war eine größere Pause nötig. Nicht jeder war es gewohnt, so lange Strecken mit Gepäck zu laufen und so entstanden die ersten Blasen an den Füßen. Selbst Biene nutzte die Gelegenheit, für ein kurzes Schläfchen.

Der Nachmittag war angebrochen und so machten wir uns auf den Weg zurück zur Ecker, um noch bis zum Abend einen geeigneten Schlafplatz zu finden.

Schlafplatz

Schlafplatz

Auf einer kleinen hügeligen Lichtung, weit ab von Wegen, fand jeder von uns eine kleine Mulde, in der er sein Schlaflager einrichtete. Auf einem großen Findling nahmen wir unser Abendbrot ein. Dieses bestand (so wie auch alle anderen Mahlzeiten während der Tour) aus Trockenbrot, Käse, Wurst, Schinken, Büchse Fisch und ein großes Stück Schokolade. Bei den Getränken gab es nicht so eine große Auswahl. Wasser pur (frisch aus dem Bach) oder mit Vitamintablette (für den Geschmack) und natürlich für die nötige Schlafsackschwere „Schierker“. Aber auch in dieser Nacht waren die Geräusche um uns herum so „interessant“, dass der Ein oder Andere nicht so recht zum schlafen kam. Die Geräuschpalette ging von leisem Knacken der Äste, über Grunzen, undefinierbare Geräusche, bis hin zu Achims Schnarchen.

Am nächsten Morgen (der für manche viel zu lange auf sich warten ließ) gingen wir zurück zur Ecker, um uns mit klarem Bachwasser zu waschen. Nach dem Frühstück und dem Versorgen der Blasen, die bei mir schon eine stattliche Größe erreicht hatten, ging die Tour in Richtung Eckertalsperre weiter.

Blutige Hacken

Blutige Hacken

Auf den nächsten Kilometern war die Beanspruchung der Füße, insbesondere der Hacken, so groß, dass sich die Blasen an Thorsten´s Hacken öffneten. Es nutzte aber nichts, er musste weiter gehen. Also Füße bandagieren, Zähne zusammen beißen und weiter ging´s. Von der Talsperre führte uns der Weg zu den Rabenklippen. In den späten Mittagsstunden erreichten wir diese. An diesen Klippen gab es einen Gasthof, auf dessen Terrasse wir uns ein schönes kaltes Bier gönnten. Thorsten war inzwischen nicht mehr der Einzige mit bandagierten Füßen (stimmt´s Oli). Da wir am nächsten Tag wieder in Richtung Berlin fuhren, mussten wir an diesem Tag noch dichter an unseren Ausgangspunkt zurück. Also Zähne zusammen und weiter. Nur Achim wusste, was uns noch bevorstand!!! Nach einiger Zeit kam dann auch die erste Frage: „Wie weit ist es denn noch?“ Achim antwortete: „Noch 10 Minuten“. Nach einer halben Stunde kam erneut die Frage: „Wie weit ist es denn noch?“

Diesmal wurde die Auskunft präziser: „Noch 500 Meter, 10 Minuten“. Diese Antwort brannte sich in unsere Köpfe ein, weil wir diese Antwort noch weitere 3 Stunden hörten!!! Zum Ende der Mammut-Tour beantworteten wir uns unsere Frage selbst. Wenn wieder einer fragte: “Sind wir denn bald da??“, antwortete ein Chor „Noch 500 Meter , 10 Minuten !!“

Und tatsächlich, als keiner mehr daran geglaubt hat, zeigte sich das von Achim gewählte Ziel. Die Försterei Hanneckenbruch tauchte zwischen den Bäumen auf. Der Förster, Lothar, war sehr gastfreundlich und gewährte uns Asyl. Nach dem üblichen Abendbrot nahmen wir alle das Angebot an, im Haus zu schlafen. Wie sich zeigte, war das eine gute Entscheidung. Es fing an zu regnen. Am nächsten Tag erwartete uns noch einmal ein ca. 2-stündiger Marsch zum Auto. In den Mittagsstunden erreichten wir wieder die frühere Oberförsterei Wernigerode und damit waren wir zurück am Ausgangspunkt. Auf dem Rückweg nach Berlin führte uns unser Weg nach Wasserleben zu einem alten Bekannten von Achim, der dort die Gastwirtschaft „Zum Krug“ führte. Nach einem Abschlussbier war es auf der Fahrt nach Berlin sehr ruhig. Außer Achim und Thorsten (Fahrer) haben alle die meiste Zeit geschlafen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Achim bedanken. Durch ihn entstand diese und dadurch auch die folgenden Touren. Auch wenn diese Trekkingtour extrem anstrengend war, für Oli und Thorsten stand fest, dies war nicht unsere letzte Adventuretour.

Biene

Biene

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