18. Tour – 2013 – Klettersteige rund um Leutasch

The Trekker 2013

The Trekker 2013

Wie lang doch so ein Jahr sein kann, wenn man es kaum erwarten kann, dass es endlich wieder „back to the boots“ heißt.

Wir hielten uns mit Erinnerungen aus dem Jahr zuvor und Tourbesprechungen für die Tour 2013 über Wasser.

Bei einer dieser Tourbesprechungen kam der Vorschlag, dass wir doch mal Klettersteige gehen können.

Jörg und Oli schauten Thorsten und Schoko fragend an. „Kletter…was?“

Schoko und Thorsten antworteten: Bergwandern mit einem Feeling von Bergsteigen, eben Klettersteige. So richtig mit Helm und Klettergurten. Erst ein paar Fotos aus dem „WorldWideWeb“ ließen die fragenden Blicke weichen. Sie wichen den ängstlichen Blicken.

Es folgten Kommentare wie: „Nicht mit mir!“, „Da könnt Ihr alleine hin!“, „Ich bin doch nicht verrückt!“ oder auch „Das schaffe ich nicht, ist mir zu steil, zu hoch, zu tief, zu…..“

Also optimale Voraussetzungen für so eine Tour. 🙂

Tag 1:

Am 09.05. 2013 war es dann soweit. Thorsten und Oli starteten um 5:30 Uhr traditionell zum Herrentag die Trekktour 2013. Diesmal erneut in die Berge.

Wo die anderen beiden waren?

Tja, auch in diesem Jahr sollte es nicht so leicht werden, alle unter einen Hut zu bekommen.

Jörg war mit seinem Akkordeonorchester auf dem Weg nach Innsbruck zum 11. World Music Festival vom 09.-12. Mai. Das war genau der Zeitraum, in der wir unsere Himmelfahrtstour machten. Damit Jörg aber auch noch etwas von unserer Trekkertour hatte, verlängerten wir in diesem Jahr unsere Tour um 3 Tage. Somit waren die Trekker vom 09. – 15. Mai 2013 on Tour. Da wir unser Basislager im schönen Leutaschtal aufschlugen, war es kein Problem, Jörg am 12. Mai aus dem 45 Minuten entfernten Innsbruck abzuholen.

Das erklärt natürlich noch nicht, warum Schoko nicht mit im Auto saß. Auch dafür gab es eine einfache Erklärung. Schoko hat für den Freitag nach Himmelfahrt keinen Urlaub bekommen. Auch für das Problem fanden wir eine Lösung. Direkt nach der Arbeit setzte er sich in den Zug und fuhr nach Garmisch-Partenkirchen, wo wir ihn abholten. Aber das sollte erst am Freitag passieren.

Nun zurück zum Himmelfahrts-Donnerstag.

Bei schönstem Sonnenschein kamen die ersten beiden Trekker um 11:55 Uhr an der Talstation der Karwendelbahn in Mittenwald an. Die nächste Bergfahrt war für 12.30 Uhr angekündigt. Ein guter Zeitpunkt für das erste Bierchen.

2013 - Angekommen!

2013 - Angekommen!

Um 12.30 Uhr standen die beiden mit Tagesrucksack und Klettergeschirr in der Seilbahn. 10 Minuten später öffneten sich die Türen in 2.244 Meter Höhe und die imposante Bergwelt begrüßte sie. Nach einem informativen Rundgang durch das Natur-Informationszentrum, das in einem überdimensionalen Fernrohr untergebracht war und einen grandiosen Blick hinunter in das Isartal bot, ging es los in Richtung Klettersteige.

2013 - Bergstation Karwendelbahn

2013 - Bergstation Karwendelbahn

Als Einstieg für Oli, der bis dahin noch keinerlei Erfahrungen im Umgang mit Klettergeschirr und Klettersteigen hatte, wählte Thorsten den 3 ½-stündigen Heinrich-Noe-Steig (Schwierigkeit A/B „leicht“). Doch leider machte der lange Winter einen Strich durch die Planung. Kurz nach dem Einstieg lag das erste Schneefeld vor ihnen. Die ersten beiden Schneefelder ließen sich noch ohne Seilsicherung überwinden.

2013 - Schneefeldüberquerung

2013 - Schneefeldüberquerung

Dann jedoch wurden die Passagen über die nächsten Schneefelder so steil, dass ein Passieren ohne Seilsicherung zu riskant wurde. Die Seilsicherung verlief zum Teil 50 cm unter den Schneeplatten. Wäre man auf dem Schnee abgerutscht, hätte man eine ca. 100-200 Meter lange Rutschpartie mit anschließendem freien Fall ins Tal „genießen“ können.

Die beiden entschieden sich für den Abbruch. Für den nächsten Tag war der 6-stündige Mittenwalder Höhensteig geplant, der nur wenige Meter höher begann.

2013 - Einstieg Mittenwalder Klettersteig

2013 - Einstieg Mittenwalder Klettersteig

Eine gute Gelegenheit, die Begehbarkeit zu prüfen, ob eine weitere Bergfahrt am nächsten Tag überhaupt sinnvoll ist. Auch auf diesem Steig stellte sich schnell heraus, dass er noch nicht begehbar war.

2013 - Schnee, Schnee, Schnee

2013 - Schnee, Schnee, Schnee

Ein weiterer Klettersteig an diesem Ort war der 1-stündige Karwendelklettersteig. Um nun endlich zum Klettern zu kommen, stiegen sie auch in diese Wand ein. Bis zur letzten Talfahrt der Seilbahn waren es noch 1 ½ Stunden. Also ein Zeitfenster, das ausreichen würde, wenn der Steig frei begehbar sein sollte. Auf Grund der Südlage und der steilen Hänge, war dieser anfangs schneefrei.

Nach ca. 20 Minuten kamen bei Thorsten und Oli Zweifel auf, ob sie die Tour weiter machen sollten. Sowie sie an eine Stelle kommen würden, an der sie durch den Schnee in den Schattenlagen nicht weiterkommen, wäre die letzte Talfahrt nicht mehr zu erreichen. Die Aussicht auf

2013 - Klettern in den Wolken

2013 - Klettern in den Wolken

einen Abstieg ins Tal durch den Schnee war wenig erquicklich und so stiegen sie wieder zurück auf dem bereits absolvierten Steig und gingen zurück zur Bergstation. Auch wenn sie keinen der Steige komplett gehen konnten, war es trotzdem ein guter Einstieg für Oli, um sich mit dem Material vertraut zu machen.

Noch 20 Minuten bis zur Talfahrt verblieben, genug Zeit, um noch schnell in den 450 Meter langen Tunnel quer durch den Berg zu schauen.

2013 - Verbindungstunnel

2013 - Verbindungstunnel

 

 

 

 

Pünktlich um 17.00 Uhr standen sie wieder in der Seilbahn und ließen sich bequem die ca. 2,5 km lange Strecke ins Tal hinab fahren.

Nach einer 20-minütigen Weiterfahrt standen sie vor dem Ferienhaus „Kirchplatzl“ in Leutasch (Österreich), das für die nächsten Tage das Basislager für die Touren wurde. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung (inkl. Marillenbrand :-)) bezogen sie die gemütliche 4-Personenferienwohnung
(www.ferienhaus-kirchplatzl.info).

2013 - Ferienhaus Kirchplatzl

2013 - Ferienhaus Kirchplatzl

Schnell noch duschen und ab zum Abendbrot. Bei dem 20 Gehminuten entfernten Italiener „Cavallino“ genossen die beiden das leckere Essen und das ein oder andere Bier. Dabei wurde die Tour für den nächsten Tag besprochen, der nun anders verlaufen musste, als eigentlich geplant. Nach dem Essen war der Verdauungsspaziergang zurück zum Kirchplatzl genau richtig. Um 21.30 Uhr lagen sie in den Federn.

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Tag 2:

Nach dem Aufstehen um 08.00 Uhr machten sich Oli und Thorsten für das Frühstück fertig. Da in der Ferienwohnung kein Frühstück angeboten wurde, hatte die nette Wirtin Marlene am Tag zuvor in einem Hotel in der Nähe für die beiden einen Frühstückstisch reserviert.

2013 - Zugang Geisterklamm

2013 - Zugang Geisterklamm

Gegen 9.00 Uhr saßen Thorsten und Oli im gemütlichen und modernen Restaurantbereich des Hotels Xander. Nach einem sehr guten und abwechslungsreichen Frühstück fuhren die zwei in den Nachbarort, um im Supermarkt Lebensmittel und Getränke einzukaufen. Der Kühlschrank im „Basislager“ wurde gut gefüllt und anschließend ging es auf die Tagestour in die Geisterklamm.

2013 - Blick ins Wasser

2013 - Blick ins Wasser

Das Wetter war leider sehr verregnet und so war für diesen Tag eine kurze Tour angesagt. Gegen Mittag ging es in die Geisterklamm. Vorbei an einem Hochseilgarten verlief der Weg auf einem befestigten Waldweg am Rande der noch weit geöffneten Schlucht. Nach einigen hundert Metern kam der Abstieg in die sich dort deutlich verengende Schlucht. Der Einstieg in die Klamm ist durch den Klammgeist und die Regenbogenschlange deutlich markiert. Ab dort sind befestigte Wege eher eine Seltenheit. Der Weg verläuft die meiste Zeit auf Gitterrosten, durch die sie bis hinab auf das Wasser schauen konnten.

2013 - In luftiger Höhe

2013 - In luftiger Höhe

Die Wegeführung war sehr beeindruckend und durch das ständige laute Tosen des Wassers waren die beiden schnell in den Bann der Klamm gezogen. In einigen Abständen gab es immer wieder Tafeln, auf denen der „Klammgeist“ Besonderheiten dieses Ortes beschrieb und erklärte. Das regnerische Wetter war ideal, um wenig anderen Wanderern zu begegnen.

Der über 800 Meter lange Steg hielt viele schöne Eindrücke und Ausblicke bereit. Als Höhepunkt steht man plötzlich vor der Panoramabrücke.

2013 - Panoramabrücke

2013 - Panoramabrücke

Von der Mitte der Brücke bis hinab auf den Grund der Klamm sind es über 47 Meter. Nach einem kurzen Abstecher auf die Brücke folgten die beiden dem Koboldpfad hinab bis zu der Stelle, an der die tosende Leutascher Ache die Geisterklamm verlässt, um anschließend ruhig und gemächlich weiter zu fließen. Dadurch, dass das Leutaschtal direkt an der deutschen Grenze endet, verlässt man dort kurz Österreich, um dann durch eine Stahltür beim Betreten der engen Klamm wieder zurück nach Österreich zu gehen.

2013 - Ende der Klamm

2013 - Ende der Klamm

Auf den folgenden 200 Metern über dem tosenden Wasser, liefen Oli und Thorsten an den steilen Felswänden bis zum Wasserfall. Beim Blick über den Wasserfall kann man in der Ferne die Panoramabrücke sehen. Nach einer kurzen Fotopause gingen Oli und Thorsten wieder zurück zum Ausgang der Klamm.

2013 - Sauerstoffreiches Wasser

2013 - Sauerstoffreiches Wasser

Durch den Wald gingen sie auf dem wenig spektakulären Weg zurück, über die grüne Grenze, zum Ausgangspunkt am Parkplatz.

Zurück im Ferienhaus Kirchplatzl kochten die beiden sich eine leckere Lasagne und ließen den Abend in der Ferienwohnung ausklingen. Um 23.00 Uhr hieß es dann wieder anziehen und los. Wohin? Es ging nach Garmisch-Partenkirchen, um Schoko dort vom Bahnhof abzuholen. Pünktlich um 23.58 kam Schoko an.

2013 - Da waren es schon drei

2013 - Da waren es schon drei

Da wir an diesem Abend noch kein Bier oder Schnaps trinken durften 🙁 (schließlich musste Oli noch zum Bahnhof fahren, und allein trinken ist doof) holten wir das auf der Rückfahrt traditionell nach. Traditionell deshalb, weil wir endlich wieder auf Schoko mit dem Trinkspruch “Danke fürs Fahren“ anstoßen konnten.

Um 1 Uhr kehrte die Nachtruhe im „Basislager“ ein.

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Tag 3:

2013 - Start zum Bocksberg

2013 - Start zum Bocksberg

Nun waren die Trekker schon fast komplett. Bei einem ausgiebigen Frühstück wurde beraten, wie der Tag weiter verlaufen sollte. Denn es regnete wieder in Strömen. Geplant war der 14 Kilometer entfernte Adlerklettersteig (Schwierigkeit C/D). Die Tour hätte über 8 Stunden gedauert und das bei dem Regen war nicht so motivierend. Also wurde im Internet geschaut, wo es in Österreich nicht regnete. Laut Regenradar war der Regen in Vorarlberg durch und so entschieden sich die drei für die 2 ½-stündige Fahrt zum Blocksberg in Vorarlberg. Um 14.30 Uhr liefen wir los.

2013 - Über Stock und Stein

2013 - Über Stock und Stein

Auf den nächsten 2 ½ Stunden gab es einige Abwechslung. Erst einmal in Serpentinen den Berg hinauf laufen, bis wir an einer Weggabelung den befestigten Weg verließen und auf einem schmalen markierten Pfad weiter in Richtung Klettersteig liefen.

Auch dort lag teilweise noch Schnee, so dass es auf kleinen Schneefeldern und matschigen Böden immer weiter bergauf ging.

2013 - Starker Auftritt

2013 - Starker Auftritt

Dann endlich hatten wir den Einstieg in den Klettersteig – teils dank GPS Gerät – gefunden.

In aller Ruhe legten wir das Klettergeschirr an und waren gespannt auf das, was uns erwartete.

2013 - Jetzt geht es Klettern

2013 - Jetzt geht es Klettern

Die 30-minütige Tour war nicht sehr anspruchsvoll und so sahen wir diesen als Übungssteig für Schoko an. (Was eigentlich nicht nötig war, da Schoko beim Klettern fit war.) Die Ausblicke und Wolkenspiele waren bemerkenswert schön. Am Gipfelkreuz trugen wir uns ins Gipfelbuch ein und begossen den Aufstieg mit einem Gipfelschluck.

In der Ferne zogen neue dunkle Wolken auf, so dass wir uns schon bald wieder an den Abstieg machten. Auf der anderen Bergseite war das Klettergeschirr nicht mehr nötig und so ging es schnellen Schrittes hinab. Auf halber Strecke holte uns der Regen ein, was unsere Schritte noch beschleunigte.

2013 - Gipfel erreicht

2013 - Gipfel erreicht

2013 - Nasser Abstieg

2013 - Nasser Abstieg

Naß bis auf die Knochen erreichten wir um 18.30 Uhr das Auto. Nach einem Wäschewechsel fuhren wir zurück nach Leutasch. Um 20.45 Uhr erreichten wir mit hungrigem Magen das Leutaschtal. Spontan gingen wir noch einmal in die Pizzeria, die Oli und Thorsten bereits am ersten Tag getestet hatten. Nach dem Essen fuhren wir die letzten Meter zu unserer Unterkunft Kirchplatzl. Die heiße Dusche und einige kühle Bierchen rundeten der Tag ab.

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Tag 4:

Wieder einmal klingelte der Wecker um 8.00 Uhr und nötigte uns, die warmen Betten zu verlassen. Jedoch beflügelte uns die Vorstellung eines schönen Frühstücks und so fiel es uns nicht schwer, beschwingt in den Tag zu kommen. Nach dem Frühstück fuhren wir um 11.30 Uhr in Richtung Innsbruck ab. An diesem Tag sollten die Trekker nun endlich wieder vollzählig sein. Jörg sollte voraussichtlich gegen 13.00 Uhr abholbereit sein. Denn dann endete die offizielle Abschlussveranstaltung des 11.World Music Festival, an dem Jörg teilnahm. Um die Zeit gut zu überbrücken, besuchten wir noch die Kristallwelten der Firma Swarowski, die sich in der Nähe von Innsbruck befinden.

2013 - The Trekker 2013

2013 - The Trekker 2013

Um 13.30 war es dann soweit. Wir holten Jörg von der Olympiahalle in Innsbruck ab und damit waren wir endlich wieder komplett. Nach einem Begrüßungsbierchen – außer Schoko – “Danke für’s Fahren” 🙂  fuhren wir weiter ins Ötztal in die Auerklamm.

Jörg war ein völliger Anfänger mit Höhenangst zum Thema Klettersteige. Deshalb suchten wir einen sehr leichten Steig (Schwierigkeitsstufe A) für Jörgs 1.Tour um ihm ein wenig die Ängste und Bedenken zu nehmen. Diesen fanden wir in dem 20-minütigen Steig hinunter zum Wasserfall in der Auerklamm. Wir stellten das Auto im nächstgelegenen Ort ab und liefen zur Klamm. Am Einstieg zeigten wir Jörg, wie das Klettergeschirr angelegt und gehandhabt wird.

2013 - Jörg wird angezogen

2013 - Jörg wird angezogen

2013 - Freihändig

2013 - Freihändig

Kaum eingestiegen, waren wir auch schon am Ende des Steiges direkt unterhalb des Wasserfalls. 20 Minuten können wirklich schnell vergehen. Nach einigen Photoshots ging es wieder zurück, und so hatte Jörg seinen ersten Klettersteig gut absolviert.

2013 - Nach getaner Arbeit

2013 - Nach getaner Arbeit

Was wir ihm bis dahin noch nicht sagten war, das das eigentlich fast kein Klettersteig war, höchstens vielleicht eine schwierige Wanderetappe mit Drahtseil. Was wir in den nächsten Tagen noch mit Ihm vorhatten, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Während des Kletterns sahen wir auf der anderen Klammseite ebenfalls Sicherungsseile. Diese wollten wir genauer erkunden und so gingen wir zurück auf dem Weg über eine Holzbrücke und suchten einen Zugang in Richtung der Seilversicherung. Einige Minuten später standen wir am Anfang dieses Seil und klinkten uns mit den Sicherungskarabinern ein. Doch auch dieser war nicht anspruchsvoll oder lang.

2013 - Hinab in die Klamm ...

2013 - Hinab in die Klamm ...

Eine Stunde später standen wir wieder auf der Holzbrücke und fanden einen weiteren Trampelpfad parallel zur Klamm in die andere Richtung. Thorsten lief vor und schaute, ob ein weiterer „Klettersteig“ dort zu finden war. Nach 15 Minuten bergauf fand er tatsächlich eine weitere Seilversicherung. Nachdem die anderen ebenfalls zu ihm aufschlossen, klickten die Karabiner wieder ans Seil. Doch dieser Steig war noch kürzer und endete an einer Seilrutsche, die auf die andere Uferseite führte. Da wir leider keine Rolle dabei hatten, konnten wir diese etwa 40 – 50 Meter lange Seilrutsche nicht nutzen. Wie zu sehen war, hätte es uns auch nichts genutzt, denn dort schien der Startpunkt für einen Canyoningparcours zu sein und dafür waren wir absolut nicht richtig gekleidet. So traten wir den Rückweg zum Auto an, um anschließend zurück in unser Basislager Kirchplatzl zu fahren.

Keiner von uns hatte mehr Lust unser gemütliches Basislager zu verlassen und so machte es sich bezahlt, dass wir vorsorglich Tortellini und Tomatensoße eingekauft hatten. Nach einem üppigen Mahl und zahlreichen Rückblicken in die Auerklamm kehrte um 23.00 Uhr Ruhe ein.

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Tag 5:

2013 - Lehner Wasserfall

2013 - Lehner Wasserfall

Dieser Tag sollte ein besonderer werden, wie sich hinterher herausstellte. Wir hatten 2 Klettersteige (Schwierigkeit B/C) geplant. Klettersteige, die Jörg an seine Grenzen führten, was sich schon bald herausstellen sollte. Das Wetter war perfekt. Bei einem Sonne-Wolken-Mix brachen wir um 10.30 Uhr auf, wieder ins Ötztal. Unser erstes Ziel war der Lehner Wasserfall.

2013 - Wasserrad

2013 - Wasserrad

Von dem Parkplatz in der Nähe von Längenfeld aus folgten wir der gut gekennzeichneten Streckenführung, vorbei an einigen Wasserrädern, hinauf bis zum Einstieg des Klettersteiges.

Vor uns erhob sich die steile Einstiegswand, mit teilweise leichtem Überhang. Als Kletterer ein Anblick, der einem ein gutes Gefühl gibt.

2013 - Einstieg in den Klettersteig

2013 - Einstieg in den Klettersteig

Die ersten ca. 15-20 Meter sind auch gleich die anspruchsvollsten Höhenmeter in diesem Steig.

Thorsten stieg vor, Jörg, Oli und Schoko folgten ihm. Doch schon nach 10 Metern gab es eine Zwangspause. Jörg hing in der Wand und die Höhenangst schlug zu. Für ihn gab es nur noch einen möglichen Weg und zwar der direkt wieder zurück auf den Boden.

So trat Jörg den Rückweg an und fand einen guten Beobachtungsposten auf der anderen Bachseite auf einer erhöhten Aussichtsplattform.

2013 - Jörgs Beobachtungsposten

2013 - Jörgs Beobachtungsposten

Dorthin hatte Oli bereits beim Anstieg einen kurzen Abstecher gemacht und gesehen, was uns erwartet.

Wir anderen drei meisterten die Wand ohne Probleme und genossen auf dem weiteren Weg die immer grandioser werdende Aussicht.

2013 - Immer an der Wand lang

2013 - Immer an der Wand lang

Die Schwierigkeiten auf dem weiteren Steig war mit leicht bis mittelschwer (A/B) bewertet. Das Sicherungsseil führte uns immer weiter heran an den Wasserfall. Mal ging es parallel an der Wand entlang und dann wieder über Eisenstufen einige Meter senkrecht bergauf. Die Euphorie wuchs in uns und am liebsten wären wir gar nicht mehr heraus aus der Wand gekommen. Doch die nächsten Klettersteigler waren schon hinter uns. Kurz vor dem Ausstieg kamen wir noch einmal an eine interessante Stelle. An einem Überhang (Stufe D) konnte man den direkten Weg wählen oder die Umgehung. Welchen Weg wir wählten wird hier nicht verraten 🙂

2013 - Überhang

2013 - Überhang

Oben angekommen tranken Oli und Thorsten ein „Gipfelbier“, das sie extra dafür mit nach oben trugen (mit Aussicht auf ein frisches Bier lässt sich so manche schwierige Stelle besser überwinden :-)).

Es folgte der Abstieg, auf dem wir unterwegs Jörg „einsammelten“.

Es war 14.00 Uhr und was macht man mit so einem angebrochenen Tag?

Am besten den nächsten Klettersteig angehen.

2013 - Lehner Wasserfall

2013 - Lehner Wasserfall

Also rein ins Auto und nach einem halbstündigen Transfer standen wir auf dem Parkplatz am Stuibenfall bei Umhausen.

Schon kurz nach dem Parkplatz gab es für uns ein echtes Naturschauspiel. Überall auf den Zäunen und Lampen saßen unzählige Trauben von Maikäfern. Es war sehr bemerkenswert, da noch keiner von uns so viele der trägen Kerlchen gesehen hatte.

Vorbei am Ötzi-Dorf erreichten wir nach ca. 30 Minuten den Einstieg zum Klettersteig. An dieser Stelle haben sich die Erbauer sicher gedacht, vor der Arbeit kommt das Vergnügen. Gestartet wird erst einmal über eine Seilbrücke, die uns über den Horlachbach führte.

2013 - Seilbrücke am Stuibenfall

2013 - Seilbrücke am Stuibenfall

Auf der anderen Seite ging es dann durch den Wald und Geröllfelder immer weiter hinauf, bis wir direkt unter der imposanten Felswand standen, in die der Klettersteig gebaut wurde. An unserer Seite noch immer Jörg. Wir waren gespannt wie weit er uns begleiten wird. Die Karabiner klickten und los ging es schräg bergauf immer an der Wand lang. Und Jörg war dabei. Ein erstes kleines Steilstück und Jörg war dabei.

2013 - ... und wieder bergauf

2013 - ... und wieder bergauf

Eine weitere schräge Passage und ein anschließendes langes Steilstück zwischen den Felsen und leichten Überhängen.

Und Jörg … war nicht mehr dabei :-(. Leider! Aber er hat es versucht und das zählt. Während er den Rückweg antrat, warteten wir, bis er sicher den Klettersteig verlassen hatte. Jörg ging zurück über die Seilbrücke auf den Wanderweg und folgte diesem auf der anderen Wasserseite in Serpentinen nach oben.

Erneut zu Dritt ging es für uns weiter auf dem Steig. Auch dies war wieder ein sehr schöner und interessanter Klettersteig mit den Schwierigkeitsstufen A-C.

2013 - Schöne Aussichten

2013 - Schöne Aussichten

Auch wenn der Steig als familienfreundlich eingestuft wird, würden wir nicht empfehlen, mit ungeübten Kindern diesen Steig zu gehen. Es gab durchaus Passagen, in denen man sehr konzentriert und sicher klettern musste. An einigen Stellen war es nicht vorstellbar, dass Kinder ohne fremde Hilfe weiter gekommen wären.

Diese schöne Tour zu beschreiben ist schwierig und überflüssig, denn Bilder sagen mehr als 1000 Worte.

2013 - Lebensversicherung

2013 - Lebensversicherung

2013 - Stuibenfall

2013 - Stuibenfall

2013 - ... nur nicht wegrutschen !!!

2013 - ... nur nicht wegrutschen !!!

Jedoch hat der Ausstieg eine extra Erwähnung verdient!

Das letzte Stück verlief direkt neben dem Wasserfall und endete an einer erneuten Seilbrücke über den „Schanzentisch“ des Wasserfalls.

2013 - Seilbrücke

2013 - Seilbrücke

2013 - Schoko auf Seilbrücke

2013 - Schoko auf Seilbrücke

2 Meter unter dem Seil, auf dem wir den Horlachbach ein 2.Mal überquerten, toste und tobte das Wasser, bevor es dann 159 Meter in die Tiefe stürzte. Zum Glück folgte niemand von uns dem Wasser auf seinem Weg.

2013 - Ziel erreicht

2013 - Ziel erreicht

Wohlbehalten ging es einen letzten seilversicherten leichten Aufstieg hinauf bis auf den Wanderweg, der vom Tal bis dort hinauf führte. Auf der festen Eisenbrücke oberhalb des Falls legten wir noch eine Fotopause ein.

Auf dem Rückweg über die Serpentinen hinunter zum Startpunkt kamen wir an 3 Aussichtsplattformen vorbei,

2013 - Wasserfall zum Anfassen

2013 - Wasserfall zum Anfassen

von denen aus wir immer wieder versuchten unseren erkletterten Weg zu finden. Jörg war inzwischen auch wieder zu uns gestoßen und so traten wir zusammen mit ihm den Rückweg zum Auto an.

Auf der Rückfahrt nutzen wir einen Supermarkt um unsere verbrauchten Vorräte wieder aufzufüllen. Da wir alle noch nicht viel gegessen hatten, entschlossen wir uns, noch im Ötztal Abendbrot zu essen. Bei der Fahrt durch den Ort „Ötz“ sahen wir das Restaurant Heiner und 15 Minuten später saßen wir in der Gaststube vor unseren kühlen Getränken. Immer wieder mussten wir vor, während und nach dem Essen über die beiden tollen Touren sprechen und kamen gar nicht aus dem Schwärmen heraus. Nach der 1-stündigen Rückfahrt gab es sofort am Laptop eine Fotoauswertung, bevor wir den Tag beendeten.

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Tag 6:

2013 - Aussicht Kirchplatzl

2013 - Aussicht Kirchplatzl

Beim Frühstück beschlossen wir, das traumhafte Wetter (Sonne pur) noch einmal zum Klettern zu nutzen. Ebenso beschloss Jörg, dieses traumhafte Wetter im Ferienhaus Kirchplatzl (unserem Basislager) und in der traumhaften Umgebung zu verbringen.

Nach Auskunft der Vermieterin Marlene soll es in Absam einen sehr schönen und anspruchsvollen Klettersteig geben. Wir hatten Blut geleckt und wollten unbedingt diese insgesamt 6 ½ -stündige Tour machen. Da die Wand nach Süden ausgerichtet war, hofften wir darauf, dass der Schnee dort keine Schwierigkeiten machen würde. Die Schwierigkeitsstufen von A-D sollten alle bedient werden.

Um 10:45 Uhr waren Schoko, Thorsten und Oli auf dem Weg nach Absam. Eine Stunde später standen Oli und Thorsten im Tourismusbüro von Absam und erkundigten sich nach dem Einstieg zum Klettersteig. Die nette Dame schaute sie ungläubig an und meinte, dass die Wand und evtl. auch der Klettersteig schon schneefrei sein könnten, jedoch der Abstieg sei es noch nicht, und die in 2000 Meter Höhe liegende Bettelwurfhütte hätte auch noch geschlossen (wir hätten einen Gesamtaufstieg von 1000 Höhenmetern vor uns gehabt). Vorsichtshalber rief sie noch beim Alpenverein an und auch diese bestätigten, dass es nicht ratsam wäre diesen Klettersteig zu gehen. Dafür reichte der Winter doch zu weit ins Jahr hinein.

Aus Vernunftsgründen entschieden wir uns gegen einen Aufstieg und planten den Tag um. Leider hatten wir nun die Vormittagsstunden verschenkt und so fuhren wir ein weiteres Mal ins Ötztal, um dort noch eine kleine Tour zu klettern. Es gab im Ötztal zum Glück genug Klettersteige, die nicht in die Schneeregionen hinein führten.

Kaum dort angekommen, fragten wir auch dort nach einer geeigneten und der Tageszeit angemessenen Tour im Tourismusbüro. Dort bekamen wir die Empfehlung am Übungsfelsen Moosalm einen kurzen Klettersteig zu nutzen.

2013 - Karte Moosalm

2013 - Karte Moosalm

Bevor wir gar nicht mehr zum Klettern kommen sollten, folgten wir dieser Empfehlung. Um 14.00 Uhr stellten wir das Auto an einer Forststraße außerhalb von Sölden ab und liefen weitere 40 Minuten hinauf zum Kletterfelsen.

Irgendwie war der Wurm drin an diesem Tag.

2013 - Oli Schoko

2013 - Oli Schoko

Obwohl wir Jörg gar nicht dabei hatten ;-), war auch auf dieser – nicht wirklich – schwierigen Tour ein Aussteiger dabei. An einer Passage sagte plötzlich Oli, das er hier nicht mehr weiterkommt. Durch die vergangenen letzten Klettertage, war bei ihm der Punkt erreicht, wo das Zusammenspiel zwischen Kraft, Kondition und Kopf nicht mehr im Einklang war (um es mal positiv zu beschreiben :-)).

Also kletterte Oli zurück, Thorsten und Schoko nach vorn.

2013 - Thorsten

2013 - Thorsten

2013 - Ganz nach oben ...

2013 - Ganz nach oben ...

Die Dame im Tourismusbüro hat nicht untertrieben, als sie von einem kurzen Übungssteig sprach. 20 Minuten später waren Schoko und Thorsten durch und um liefen den Felsen wieder nach unten, wo sie Oli wieder trafen. Auf einer Bank mit Blick ins Tal tranken Oli und Thorsten noch ein Frustbier.

2013 - Pause

2013 - Pause

Aus der eigentlich geplanten super Tour in Absam wurde eine „Abbruch-Kletter-Übungstour“ :-(.

Um 17:40 Uhr waren wir zurück in Kirchplatzl. Die Sonne schien noch auf die Terrasse der Ferienwohnung und so wurde das erste Abendbierchen in der Sonne eingenommen. Zum Abendbrot gingen wir in das in der Nähe befindliche Hotel Xander. Am nächsten Tag stand die Abreise bevor, so wurden noch überflüssige Vorräte in Form von Bier, Obstler und Kräutern aufgebraucht, um diese nicht mit nach Berlin nehmen zu müssen. 😉

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Tag 7:

2013 - Frühstück

2013 - Frühstück

Für den Abreisetag hatten wir uns noch am Tag zuvor einen schönen ausgiebigen Spaziergang ausgesucht, damit wir diese Tour von Anfang bis Ende als komplette Gruppe machen konnten. Unsere Wahl viel auf den ins Wettersteingebirge eingebetteten Eibsee am Fuße der Zugspitze. Nach einem letzten Frühstück in unserem behaglichen Basislager packten wir unsere Klamotten ins Auto und fuhren nach Deutschland zum Eibsee. Das Auto abgestellt und los ging es um den See. Zusammen mit gefühlten 374.000 anderen Spaziergängern erfreuten wir uns trotzdem an der herrlichen Landschaft und den fantastischen Ausblicken auf den See und die Zugspitze.

2013 - Zugspitze

2013 - Zugspitze

2013 - Eibsee, Zugspitze

2013 - Eibsee, Zugspitze

Nach ca. 1 ½ Stunden waren wir herum und traten von dort die Heimfahrt an. Ohne Komplikationen kamen wir in den Abendstunden mit vielen neuen Eindrücken in der Heimat an.

Fazit:

Thorsten und Schoko wurden in ihrem Hobby weiter bestärkt.

Oli, der Klettersteige zum ersten Mal mit der passenden Ausrüstung beging, war so begeistert, dass er im nächsten Jahr unbedingt wieder Klettern möchte :-).

Jörg, für den es auch das erste Mal war, hat für sich seine Grenzen klar abgesteckt und wird auch in Zukunft diese Sportart nicht betreiben.

Das bedeutet, dass die folgenden Trekkertouren keine Klettersteigtouren sein werden. Aber vielleicht gibt es ja eine kleine Untergruppe „Klettersteige“ bei den Trekkern, die im nächsten Jahr zweimal den Ruf hören:

Back to the boots.

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