Zillertaler Runde – Ausflug von Oli und Stefan zur Mörchenscharte

Am Donnerstagabend saßen wir mit Beate und Michael vor dem Abendessen zusammen und überlegten, welchen Weg wir am nächsten Tag von der Berliner Hütte zurück zu unseren Autos gehen wollten. Zur Auswahl standen der direkte Weg durchs Zemmgrundtal nach Breitlahner der ca. drei Stunden dauern würde oder über die Mörchenscharte mit 2.872 m Höhe ins Floitental, der ca. fünf Stunden dauern würde. Von Breitlahner könnten wir mit dem Bus direkt bis zu unseren Autos fahren, aus dem Floitental hätten wir noch ca. 12 km bis zu unseren Autos und müssten versuchen ein Wandertaxi zu bekommen.

Da wir am Freitag noch den weiten Weg bis Berlin vor uns hatten, wurde die Idee über die Mörchenscharte zu wandern von Stefan, der unser Autofahrer war, schnell verworfen. Für Beate und Jörg stand von Vornherein fest, dass ihnen dieser Weg zu anspruchsvoll ist und auch Thorsten fand, die Etappe über das Schönbichler Horn sei ein krönender Abschluss und müsste nicht noch getoppt werden.

Nach dem Essen griff Oli, den der Gedanke an die Route über die Mörchenscharte reizte, das Thema nochmals auf. Er „zäumte das Pferd von hinten auf“ und fragte, wann wir am nächsten Tag spätestens mit dem Auto Richtung Heimat los wollten. Wir verständigten uns auf 13.00 Uhr. Zur Sicherheit wollten wir so planen, dass wir um 12.30 Uhr am Auto sind. Wenn die Route über die Mörchenscharte also fünf Stunden dauern würde und wir das Wandertaxi zur Materialseilbahn ins Floitental bestellen könnten, dann müssten wir um 6.30 Uhr losgehen. Klang also realistisch, wenn es so früh schon Frühstück gäbe und wir das Wandertaxi bestellen könnten, welches uns zu unserem Auto bringen würde. Das mit dem Frühstück war schnell geklärt. Das gab es planmäßig immer ab 6.00 Uhr. Das passte genau. Nun das Wandertaxi. Die Hüttenwirtin war so freundlich und gab uns die Telefonnummer des Wandertaxis und, da das Münztelefon defekt war und es keinen Handyempfang gab, auch ihr Festnetztelefon. So konnten wir auch dieses Thema klären und es klappte! Um 12.00 Uhr verabredeten wir uns mit dem Wandertaxi an der Talstation der Materialseilbahn der Greizer Hütte im Floitental.

Außer Stefan und Oli wollte Michael, der die Route schon einmal gewandert war, diesen Weg am nächsten Tag in Angriff nehmen. Die anderen drei wollten den kurzen Weg direkt zum Breitlahner gehen. Gemeinsamer Treffpunkt sollte dann unser Auto sein.

Voller Vorfreude und im Hinblick auf die frühe Weckzeit sind Stefan und Oli dann auch rechtzeitig ins Bett gegangen und haben vorher schon alles für den nächsten Tag vorbereitet. Am nächsten Morgen meldete sich Michael ab. Er hatte über Nacht Halsschmerzen bekommen und wollte sich daher die anspruchsvolle Route über die Mörchenscharte ersparen. Blieben also noch Stefan und Oli, und die machten sich nach einem ordentlichen Frühstück, das fast Hotelcharakter hatte, um 6.37 Uhr auf den Weg. Das Wetter war noch genau so herrlich sonnig wie am Vortag.

2010 - Aufbruch zur Mörchenscharte

2010 - Aufbruch zur Mörchenscharte

Für den Aufstieg von der Berliner Hütte (2.042 m) zur Mörchenscharte (2.872 m) sind laut der Wanderhinweisschilder 2 ½ Stunden angesetzt. Der Weg führte gleich von der Hütte an bergauf. Er war als Plattenweg gut begehbar. Schnell gewannen wir an Höhe. Bald ging es über die Moorböden des Schwarzensteinmoores weiter stetig ansteigend zum Schwarzsee (2.472 m).

2010 - Schwarzsee

2010 - Schwarzsee

Diesen erreichten wir nach genau einer Stunde und hatten damit schon die Hälfte an Höhenmetern überwunden. War es bis dahin zwar morgendlich frisch aber aufgrund der Sonne angenehm, so strahlte der Schwarzsee eine deutlich spürbare Kälte aus. Kein Wunder, dass der in der See ragende Schnee nicht schmolz. Von dort führte der Weg in einigen steilen Serpentinen über Lehmboden in das Rosskar wo uns ein ausgiebiges Schneefeld erwartete.

2010 - Schneefeld am Rosskar

2010 - Schneefeld am Rosskar

 

 

Von nun an ging es bis zur Mörchenscharte fast ausschließlich über Schnee. Da wir so früh am Morgen unterwegs waren, war der Schnee noch gut zu betreten. Lediglich an einigen wenigen Stellen sackten wir etwas tiefer ein. Kurz vor dem Scheitel der Mörchenscharte mussten wir noch ein steiles Geröllfeld überwinden ehe sich uns der Blick in den Floitengrund auftat.

2010 - Steiles Geröllfeld

2010 - Steiles Geröllfeld

2010 - Der Floitengrund

2010 - Der Floitengrund

Wir hatten die Mörchenscharte nach zwei Stunden und zehn Minuten erreicht und damit 830 Höhenmeter überwunden. Wir sind zügig aufgestiegen und hatten nur kurze Atem- und Fotopausen gemacht. Von nun an hieß es 1.038 m abzusteigen bis zum Floitenbach (1.834 m).

Da auf dem Scheitel der Mörchenscharte gerademal Platz für zwei stehende Personen war, wollten wir uns auch nicht länger als nötig aufhalten. Für eine Pause wollten wir uns ein gemütlicheres Plätzchen suchen.

2010 - Abstieg

2010 - Abstieg

Der erste Teil des Abstiegs war ein sehr steiles Stück mit Seilversicherungen und führte zunächst an einer schroffen Felswand entlang über Schnee und später über Fels. Um jedoch die Seilversicherung zu erreichen mussten wir zuerst ungesichert ein Schneefeld überqueren. Nicht weit, vielleicht zehn bis fünfzehn Meter. Aber wenn das Schneefeld zwei- bis dreihundert Meter ziemlich steil bergab geht, dann fordern auch diese paar Meter ganz schön Konzentration (und die Hoffnung, dass es hält). Aber wir haben es gemeistert und auch den anschließenden Abstieg an der Seilversicherung über den Schnee und den Fels.

Und dann endete die Seilversicherung in einem relativ losen Geröllfeld, und Reste des Seils lagen zusammengerollt am Rand. Es sah also so aus, als führte die Seilversicherung früher noch etwas weiter. Nun aber nicht mehr, und so mussten wir uns mit besonderer Vorsicht durch das lose Geröllfeld weiter nach unten vorarbeiten. Auch Wegmarkierungen waren nicht mehr zu sehen, aber da es nicht viele Alternativen gab, war das auch nicht so wichtig. Nach einigen Minuten trafen wir dann wieder auf so etwas wie einen Weg und fanden auch wieder Markierungen. Als nächstes mussten wir wieder ein Schneefeld überqueren und wurden durch Klopfgeräusche auf einen Mineraliensucher, einen so genannten Strahler, aufmerksam. Als wir näher kamen grüßte er freundlich und erkundigte sich, ob bei uns alles in Ordnung sei. Als wir dies bestätigten wünschten wir uns gegenseitig noch einen schönen Tag und setzen unseren Weg fort.

2010 - Pause

2010 - Pause

Kurz darauf kamen wir an ein schönes Plätzchen für eine Pause. Dort verweilten wir für ca. zwanzig Minuten und aßen unsere Müsliriegel. Von dort führte der Weg in engen Serpentinen über feste Geröllfelder, Wiesen und Blumen- oder Buschfelder hinab Richtung Floitengrund.

 

 

2010 - Wiesen- und Blumenfeld zum Floitengrund

2010 - Wiesen- und Blumenfeld zum Floitengrund

Später wurde es wieder etwas felsiger und die eine oder andere Seilsicherung sorgte für einen sicheren Abstieg. Zu guter Letzt ging es nach einer weiteren Seilsicherung eine bestimmt fünf Meter hohe Aluleiter hinunter, die eigens zur Überwindung einer steilen Felswand angebracht wurde. Anschließend führte der Weg über felsigen Untergrund in den Floitengrund. Hier verloren wir die Markierungen und dachten uns, dass ja die Richtung klar ist. Weiter ins Tal hinein Richtung Materialseilbahn.

2010 - Seilsicherungen

2010 - Seilsicherungen

2010 - Murenfeld im Floitengrund

2010 - Murenfeld im Floitengrund

2010 - Floitenbach

2010 - Floitenbach

Leider hatten wir den Hinweis aus dem Flyer “Berliner Höhenweg – Zillertaler Runde” des deutschen und österreichischen Alpenvereins nicht im Kopf. Darin heißt es: „… Von dort unbedingt der Markierung folgen und auf 1.834 m über die Brücke den Floitenbach überqueren.“ Später wussten wir warum. Der kleine Floitenbach war in Wirklichkeit ein reißender Strom der für uns nicht zu überqueren war.

Als wir gerade mit dem Gedanken spielten den Bach an einer Stelle mit ein paar Felsen im Wasser doch zu versuchen zu überqueren – durch die Felsen wurde der Bach noch reißender – gewann zum Glück doch die Vernunft. Denn ein Fehltritt wäre sicher lebensgefährlich gewesen. Also drehten wir uns wieder um und wollten uns weiter durch das Gesteins- und Sträucherfeld durch das Tal kämpfen. Und da erblickte Oli so etwas wie eine Brücke über den Bach. Das müsste ziemlich genau in Höhe der Materialseilbahn sein. Also weiter durch das Murenfeld. Die vermeintliche Brücke entpuppte sich als im Privatbesitz befindliche Bachüberquerung aus zwei dicken Balken. Aber das reichte uns. Um 11.52 Uhr erreichten wir, nach einer kurzen Erfrischung am Bach, die Materialseilbahn. Drei Minuten später kam auch schon das Wandertaxi. Perfekt!

Das Taxi brachte uns für zehn Euro pro Person direkt zu unserem Auto. Dort genehmigten wir uns zuerst ein großes, kühles Getränk in der Jausenstation Gamsgrube und zogen uns anschließend am Auto um. Als wir gerade fertig waren, kamen Thorsten und Jörg. Auch hier eine perfekte Abstimmung!

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